Braucht es den Chief Digital Officer?

Ja, meinen Führungskräfte der Energiewirtschaft

Mitte 2017 führte CAPITALENT eine Serie von Interviews durch mit CEOs der Energiewirtschaft über die Frage der Notwendigkeit eines Chief Digital Officers (CDO). Konkret lautete die Frage: Braucht es einen CDO? Die Frage wurde fast ohne Ausnahme mit einem klaren „Ja“ beantwortet. Die meisten der Befragten hatten sich zu dem Zeitpunkt festgelegt. Das Fazit lautete: Es geht uns um den Zugang zu Technologie und das Verständnis von (digitaler) Technologie. Erst wenn wir die neue, digitale Technologie verstehen und deren technischen Möglichkeiten begreifen, können wir Zukunft gestalten.

August 2017

Auch wenn die Frage nach der Besetzung eines Chief Digital Officers für einen Personalberater sicher nicht untypisch gewesen sein mag, überraschte doch die Deutlichkeit der Aussage. Insbesondere deshalb, weil CAPITALENT in den Befragungen argumentierte, dass seitens der Unternehmen entsprechende Voraussetzungen zu schaffen seien, bevor ein extern rekrutierter CDO richtig wirksam werden könne. Die Teilnehmer an den Gesprächen, so die Erkenntnis, verstanden den CDO als einen Botschafter des Neuen, gewissermaßen als verkörperter Brückenkopf in Verbindung mit digitaler Technologie. Dabei war der Akzent auf Technologie besonders interessant. Diese Akzentuierung stand in etwa gleichgewichtet mit der Frage nach der Modellierung neuer Geschäftsmodelle. Eine Erklärung für die besondere Technologielastigkeit in den Antworten mag in der Verbindung zur klassischen IT liegen, war doch bei den Befragten eine gewisse Unsicherheit zu spüren bei der Frage, wie die jeweilige IT klug in Fragen der Digitalisierung einzubinden sei. Hier bestand aber die klare Aussage, dass es ohne die IT nicht gehen würde.

Bei einem Branchenvergleich fallen unterschiedliche Vorgehensweisen auf. So hat der schwäbische Maschinenbauer Voith eine Handelsplattform für die Papierindustrie gestartet. Zudem hat das Unternehmen bereits seit Frühjahr 2016 alle digitalen Aktivitäten in der Sparte “Digital Solutions” gebündelt. Auch Klöckner & Co begann bereits 2014 sich für den digitalen Wandel fit zu machen, das Duisburger Unternehmen gründete in Berlin die Digitaleinheit „klöckner.i“ und entwickelt dort Lösungen, die das Traditionsunternehmen für die Zukunft aufstellen sollen, um sich angesichts permanenten Margendrucks und ineffizienter Liefer- und Leistungsketten neue Chancen zu schaffen.

Den angestammten Platzhirschen jedenfalls, egal aus welcher Branche, bleibt nicht viel Zeit. Die Digitalisierung macht es möglich, dass neue, sehr bewegliche Wettbewerber und Start-ups auf den Plan treten. Ein Chief Digital Officer hat deshalb in den Untiefen digitaler Fahrrinnen eine Rolle sicher: Nämlich die des Lotsen.

Autor: Dr. Wolfgang H. Koch, Partner

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